Die besten Regisseure aller Zeiten: Ingmar Bergman

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Ingmar Bergman1997 erhielt der erst kürzlich verstorbene Schwede bei den Filmfestspielen in Cannes den Titel als ‘bester Filmregisseur aller Zeiten’
Die Filme Bergmans zeichen sich nicht durch einen eigenen Stil aus, sondern vielmehr durch eine andere Gemeinsamkeit. Kaum ein Regisseur verstand es so wie der Schwede das Innenleben seiner Figuren auf der Leinwand zu exponieren. Mit vielen nahen Portraitaufnahmen und seinem im Schwarz-Weiss-Film gesammelten Beleuchtungs-Know-How liess er Schauspieler und Zuschauer das gesamte menschliche Gefühlsspektrum durchleben. In seiner langen Karriere wurden drei Filme des eine Zeit lang auch in Deutschland wohnhaften Regisseurs mit dem Academy Award (Oscar) als bester ausländischer Film ausgezeichnet. Erfahren sie anhand seiner Biographie, wie er zum legendären Regisseur aufsteigen konnte.

Die Jugend
Ernst Ingmar Bergman wurde am 14. Juli 1918 als zweites von drei Pastorenkindern im schwedischen Uppsala geboren und schon in jungen Jahren durch eine stark religiöse und sehr strenge Erziehung geprägt. Mit 19 Jahren zog es ihn an die Stockholmer Universität, doch früh kristallisierte sich heraus, dass nicht das Studium der Literaturgeschichte, sondern das Theater seine Leidenschaft war. Er brach sein Studium ab und trat eine Regieassisstenz am Theater an. Doch auch der Film, besonders die schwedischen Stummfilme, begeisterten Bergman, so dass er sich im Winter mit dem Theater, im Sommer aber mit dem Film beschäftigte.

Das Theater
Der talentierte Schwede war 1944 bis 1946 der jüngste Theaterchef Schwedens am Stadttheater in Helsingborg, von 1946 bis 1949 war er am Stadttheater in Göteborg, 1952 bis 1959 in Malmö engagiert. Von 1960 bis 1966 arbeitete Bergman am Dramaten, dem Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm, die letzten drei Jahre davon als Leiter. 1976 verliess der Regisseur seine Heimat, da er zu Unrecht wegen Steuerhinterziehung angeklagt worden war und arbeitete bis 1985 am Residenztheater in München. Nach seiner Rückkehr schloss er sich ein weiteres Mal dem Dramaten an, bis er sich 1995 vom Theater zurückzog. In seinen gut 50 Jahren am Theater inszenierte Bergman über 120 Stücke und das ganze obwohl er ‘nebenbei’ ja noch Wesentliches als Filmregisseur beitrug.

Der Film
Ingmar Begmans erster Film erschien im Jahre 1946 (Krise, Originaltitel: Kris), sein internationaler Durchbruch liess aber noch etwa 10 Jahre und weitere 15 Filme auf sich warten. 1956 wurde sein ein Jahr zuvor gedrehter Film ‘Das Lächeln einer Sommernacht’ (O: Sommarnattens leende) für die Goldene Palme nominiert, gewann aber ‘nur’ die Palme für den ‘best poetic humor’. Ein Jahr später bekam Bergman für ‘Das siebente Siegel’ (O: Det sjunde inseglet) den Spezialpreis der Jury in Cannes verliehen. In der Folgezeit wurden Bergamns Filme und seine Hauptfiguren zum Sinnbild von existenzieller Verzweiflung, der vergeblichen Suche nach dem Sinn des Lebens und von (göttlicher) Vergebung (passend zu Bergmans religiöser Erziehung). Zwischen Kino und Fernsehen schien der auch weiterhin als Theaterregisseur tätige Bergman keine Präferenzen zu haben. Bezeichnend dafür ist sein bekanntes Werk ‘Szenen einer Ehe’ (1973, O: Scener ur ett äktenskap), das sowohl als TV-Serie als auch als Kinofilm den Zuschauern näher gebracht wurde.
In seinen fast 10 Jahren des ‘Steuerexils’ in München widmete er sich mehr dem Theater und den Fernsehspielen wie ‘Das Schlangenei’ (1977, O: The serpent’s egg), erst 1982 kam sein glorreiches Comeback mit ‘Fanny und Alexander’ (O: Fanny och Alexander), ein Film, der 1984 mit vier Academy Awards (Oscars) ausgezeichnet wurde. In der Folgezeit wurde es ruhiger um den bereits fast 70jährigen Regisseur, der sich mehr und mehr zurückzog, sich 1995 vom Theater und schliesslich auch 2003 mit seinem letzten Film ‘Sarabande’ (O: Saraband), einer Art Fortsetzung zu ‘Szenen einer Ehe’, vom Film verabschiedete. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 2007 schlief Ernst Ingmar Bergman friedlich ein um nicht mehr aufzuwachen. In seinem 89 Jahre langen Leben drehte er über 60 Filme und Dokumentationen und schrieb etliche erfolgreiche Drehbücher, vor allem zu den eigenen Filmen.

Die Ehe
Bergmans Film ‘Szenen einer Ehe’ von 1973 zeigt ein sehr pessimistisches Bild von der Ehe, passend zum Leben des Regisseurs. Bergman war fünfmal verheiratet, die längste (und letzte) dauerte immerhin von 1971 bis zum Tode seiner Frau Gräfin Ingrid von Rosen im Jahre 1995. Von ihr hatte Bergman bereits 1959 ein Kind bekommen, aus den anderen vier Ehen gingen weitere 6 Kinder hervor. Zudem hatte Bergman je ein weiteres Kind von zwei weitern Lebensgefährtinnen. Eine davon war Liv Ullman, eine dänische Schauspielerin, mit der Bergman nicht nur 5 Jahre zusammen lebte, sondern die er auch berühmt machte und mit der er bis zu seinem letzten Film immer wieder gerne arbeitete.

Wissenswertes und Kurioses über Ingmar Bergman

# 1: Ingrid Bergman

Der schwedische Regisseur und die schwedische Schauspielerin waren trotz des Glaubens vieler weder verwand noch verheiratet! Sie verbindet lediglich der gleiche Nachname.

# 2: ‘Laterna Magica’
1927 bekam Ingmar Bergmans älterer Bruder Dag eine ‘Laterna Magica’, einen Filmprojektor, zu Weihnachten geschenkt. Doch nicht Dag, sondern der 9jährige Ingmar war begeistert von diesem Geschenk und ‘kaufte’ es seinem Bruder für 100 Zinnsoldaten ab, immer wieder guckte er sich auf dem Projektor ‘Frau Holle’ an. Schon damals wurde anscheinend sein Wunsch geboren am Theater und beim Film zu arbeiten. Nicht umsont trägt eine seiner Autobiographien den Titel ‘Laterna Magica’.

# 3: Sven Nykvist
Bergman arbeitete über 20 Jahre lang sehr eng mit Kameramann und Freund Sven Nykvist zusammen. 1953 wurde der Kontakt bei der gemeinsamen Arbeit an ‘Abend der Gaukler’ (O: Gycklarnas afton) hergestellt von 1960 bis 1983 bildeten sie das schwedische Dreamteam des Films.

# 4: Sexualität
Bergman war auch Vorreiter im Umgang mit sexuellen Themen, womit seinerzeit noch nicht alle klar kamen. So wurden 1963 Aufführungen seines Film ‘Das Schweigen’ (O: Tystnaden) in Deutschland heftig umkämpft und auch immer wieder verboten.

# 5: Temperament
Bergman war ein sehr temperamentvoller Mensch und als ihm die Filmzensur Probleme machte, schnitt er vor lauter Wut und aus Protest angeblich drei Einzelbilder (Frames) eines erigierten Penis in den Vorspann von ‘Persona’ (1966, gleicher Titel im Original). Zum Massstab: Drei Einzelbilder entsprechen im Film einer Achtelsekunde Bildmaterial.

# 6: Schauspieler
Viele Schauspieler erlangten erst durch die Zusammenarbeit mit Bergman internationalen Ruhm, unter ihnen der Schwede Max von Sydow und Bergmans langjährige dänische Lebensgefährtin Liv Ullman.

# 7: Palme der Palmen
Bei den 50sten Filmfestspielen von Cannes 1997 nahm eine seiner Töchter für ihn im Beisein von 28 Gewinnern der Goldenen Palme die grösste Ehrung seines Lebens entgegen, die Palme der Palmen und somit den Titel als bester Regisseur aller Zeiten.

# 8: Farö
Auf der Ostseeinsel Farö hatte der Schwede seit 1965 seinen Hauptwohnsitz und zog sich im Alter immer mehr dorthin zurück. In einer Scheune hatte er sich ein eigenes Kino bauen lassen und das Schwedische Filminstitut war seine ‘Videothek’. In seinem Haus auf der Ostseeinsel fand er auch seinen Tod am 30. Juli 2007.

# 9: Vorbild
Ingmar Bergman zählt zu den Vorbildern von hochdekorierten Regisseuren wie Woody Allen und Ang Lee.

# 10: UNESCO Weltdokumenterbe
2007 wurde das Ingmar-Bergman-Archiv des Schwedischen Filminstitutes in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen.

Filmographie
Ausgewählte Werke Ingmar Bergmans

Durst (1949, O: Törst)
Abend der Gaukler (1953, O: Gycklarnas afton)
Das Lächeln einer Sommernacht (1955, O: Sommarnattens leende)
Das siebente Siegel (1957, O: Det sjunde inseglet)
Wilde Erdbeeren (1957, O: Smultronstället)
Das Gesicht (1958, O: Ansiktet)
Die Jungfrauenquelle (1959, O: Jungfrukällan)
Licht im Winter (1962, O: Nattvardsgästerna)
Das Schweigen (1963, O: Tystnaden)
Ach, diese Frauen (1964, O: För att inte tala om alla dessa kvinnor)
Persona (1966, O: Persona)
Der Ritus (1968, O: Riten)
Die Stunde des Wolfes (1968, O: Vargtimmen)
Passion (1969, O: En Passion)
Szenen einer Ehe (1973, O: Scener ur ett äktenskap)
Schreie und Flüstern (1973, O: Viskningar och rop)
Nach der Probe (1983, O: Efter repetitionen)

Tribute to Ingmar Bergman



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