Hitzeschlacht von Stockholm - Teil 3 der Zieleinlauf
Thema: Sport & Fitness, Marathonblog | 2,982 views |
Erfahrungsbereicht Stockholm Marathon - Die zweite Hälfte des Rennens bis zum Ziel
“Alles kann, nichts muss” - war die Devise der zweiten Rennhälfte. Schnell zeigte sich, dass der nächste Streckenabschnitt, anspruchsvoll werden würde. Ich hatte es mir bereits am Tag zuvor auf der Karte angesehen. Die Strecke war mehr oder weniger in zwei Runden aufgeteilt. Kürzere Abschnitte wurden nur einmal durchlaufen. Dazu gehörte der Lauf durch einen Park. Sehr unsympatisch an diesem Park war mir die erste Steigung, mit der wir begrüsst wurden. Sie sah schon von weitem furchteinflössend aus.
Die Schwächephase
Es kündigte sich eine kleine Schwächephase an. Dies passte jetzt nicht gut zusammen. Mit 5:15 und teilweise sogar 5:30 Minuten pro Kilometer ging es den Anstieg hoch. Nur nochmal zur Erinnerung: 4:16 war die angestrebte Durchschnittsgeschwindigkeit für den Gesamtmarathon. Hinzu kam, dass jetzt kaum noch Zuschauer auf der Strecke waren. Die Läufer quälten sich einsam vor sich hin. Zwar war auf der Hälfte ein LKW mit Musikband aufgestellt (von denen waren auf der gesamten Strecke sehr viele verteilt), dieser konnte die Motivation jedoch nur für einen kleinen Augenblick steigern und Schmerzen vergessen lassen.Jetzt hatte ich den Tiefpunkt erreicht. Der Park verströmte ein grosse Hitze. Es gab kaum noch Abschnitte, die im Schatten verliefen. Es war heiss, ich war müde, ich hatte Durst. Endlich, der Ausgang war in Sicht. Wir liefen wieder auf eine Strasse, rechts von uns ankerten ein paar Yachten an einem grösseren Steg. Wasserversorgung war in Sicht. Es lief wieder besser.
Vom Feeling her ein gutes Gefühl
Ich schätze wir waren jetzt bei Kilometer 27 oder 28. Die zweite Runde wurde eingeläutet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit stimmte wieder. Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl. Dies war mein erster Marathon, der auf zwei Runden ausgelegt war. Es kann sehr deprimierend sein, wenn man genau weiss, was noch alles vor einem liegt. So war es denn auch. Streckenabschnitte, die sich beim ersten Mal noch ohne weiteres bewältigen liessen, kosteten jetzt eine Menge Kraft. Denn, worauf ich nicht geachtet hatte, waren die kurzen Anstiege. Trotz einer Höhendifferenz von insgesamt lediglich 50 Metern gab es zwischendruch mehrere Anstiege von 30 Metern auf einer Distanz von zwei bis drei Kilometern, die richtig weh taten. Alles Jammern half nix. Es waren noch gut 10 Kilometer zu absolvieren. Ich wartete mit jedem Kilometer auf den Mann mit dem Hammer. Doch der kam nicht - vorerst.
Die letzten Kilometer
Das Gefühl der Müdigkeit war anders als bei den letzten Malen, die jedes Mal zwischen Kilomter 27 und 35 ein Laufen gegen die Wand verursacht hatten. Beine wurden unglaublich schwer, jeder Schritt schmerzt, der Wille weiter zu laufen wird schwächer. Nicht, dass ich dieses Mal keine Ermüdungserscheinungen gehabt hätte, doch es fühlte sich anders an. Es war glaube ich die Hitze, die den Körper vorher schon geschwächt hat, dass man nicht an seine tatsächlich errecihbare Renngeschwindigkeit herankam. Dies ist jetzt jedoch reine Spekulation von meiner Seite. Auch wenn der absolute Einbruch nicht kam, musste ich dennoch zusehen, wie eine Schwedin - schätzungsweise Mitte 30 an mir vorbeizog. Gegenhalten war nicht mehr drin. Dies war so gegen Kilometer 40.
Der Zieleinlauf
Bis zum letzten Kilomenter musste ich noch schätzungsweise 10 weitere Läufer vorbei ziehen lassen. Egal - hauptsache jetzt ins Ziel kommen. Das Stadion nahte, der Einlauf erfolgte, das Ziel vor Augen - gleich war es vollbracht. Der Einlauf war super. Auch wenn die Stimmung im Stadion selbst nicht besser war als auf der Strecke. Die Zeit stoppt bei 3:12 und ein bisschen - die bisher schlechteste Marathonzeit. Die Enttäuschung war auch diesmal wieder gering. Letztlich ist man bei jedem Marathon glücklich ins Ziel gekommen zu sein.
Sie möchten wissen was davor passiert ist? Lesen sie doch den Teil 1 Ankunft und den Teil 2 der Halbmarathon. Wer immer noch nicht genug hat, der kann sich nächste Woche darüber informieren, was ich sonst noch in Stockholm gemacht habe - im Teil 5 der Nachgang.
August 7th, 2007 at 11:39
Anmerkung: Auch wenn die Zeit wie man auf dem Foto sieht 3:13:26 anzeigt, lag die korrigierte Zeit bei 3:12. Dies nur falls bei euch Verwirrung entstanden sein sollte aufgrund der unterschiedlichen Zeitangaben …