Venezuela - Mein Reisetagebuch, Teil 2
Thema: Venezuelablog | 1,429 views |Ankunft und erste Eindrücke
Die venezolanische Hauptstadt Caracas ist keineswegs so wie sie in den Reiseprospekten oder im Internet beschrieben wird. Das musste auch unsere Stadtreporterin bereits bei ihrer Ankunft Bilder, die sich mir darboten, nicht mit den Bildern, welche ich sich zuvor in Reiseführern oder dem Internet angeschaut hatte, zu vergleichen. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde, da wie gewöhnlich in Caracas viel Verkehr war. Gleich wurden meine eingerosteten Spanischkenntnisse auf die Probe gestellt. Etwas mühsam gelang es mir dann doch mich einigermassen flüssig mit dem Fahrer zu unterhalten. Ganz anders klingt das Spanisch welches in Venezuela gesprochen wird verglichen mit Castellano, welches wir in der Schule oder der Universität lernen. Nicht nur die Aussprache klingt weicher, sondern viele Worte haben eine andere Bedeutung oder kommen im Castellano gar nicht vor.
Die Gastfamilie
Angekommen in meinem neuen Zuhause, wurde ich erst mal von der ganzen Familie freundlich empfangen. Es stellte sich im Laufe des Gesprächs heraus, dass ich nicht alleine in der Familie wohnen würde, sondern eine Gastschwester und einen Gastbruder bekommen sollte. Zu meiner Überraschung hatte ich neben meinem eigenen Zimmer auch ein eigenes kleines Bad allerdings ohne Dusche. Die Wohnung war zwar relativ gross aber ich fragte mich wie wir, das waren mein Gastvater, meine Gastmutter, deren 14jähriger Sohn, 2 andere Gastschüler und ich darin Platz finden sollten. Nach einer kurzen Führung durch die Wohnung gingen alle schlafen und ich fiel todmüde in mein Bett und schlief trotz der Zeitverschiebung fast 8 Stunden durch.
Der erste Tag
Am nächsten Morgen wachte ich auf und stellte fest, dass ich ganz allein in der Wohnung war. Ich nutzte die Chance um alles zu erkunden und in Ruhe zu frühstücken. Meine Gastmutter hatte mir eine Arepa zubereitet und etwas Kaffee gekocht. Arepa ist eine typische venezolanische Speise. Es handelt sich um eine Teigtasche, die aus Maismehl und Wasser hergestellt wird. Man isst sie entweder mit Käse oder wie ich im Laufe meiner Reise feststellte mit allem möglichen sonstigem! Nachdem meine Gastmutter mir am Abend zuvor eine SIM Karte für mein Handy gegeben hatte, rief sie mich nach dem Frühstück an und erklärte mir sie sei arbeiten und ich solle mich erst mal ausruhen und von der Reise erholen aber wenn möglich nicht alleine draussen herumlaufen und mich in der Wohnung aufhalten. Also musste ich mich noch ein wenig gedulden bis ich zum ersten Mal in die Schule gehen durfte.
Öffentliche Verkehrsmittel
Als meine Gastmutter von der Arbeit kam, zeigte sie mir die Umgebung und erklärte mir meinen Schulweg. Das Gebäude, in dem die Wohnung liegt, ist etwa 20 Minuten von der Metro Station entfernt. Die Armenviertel von Caracas ersrecken sich rund um die Stadt entlang der Berge. Grundsätzlich fährt jeder Camioneta. Eine Camioneta ist ein kleiner Bus der um jede Wohnsiedlung fährt und von da aus zu den einzelnen Metrostationen. Diese Busse sind sehr alt und natürlich nicht zu vergleichen mit den Bussen die man kennt. Eine Fahrt bis zur Metro dauert ungefähr 10 Minuten und kostet umgerechnet weniger als 20 Cent. Meine Gastmutter erklärte mir sofort, dass es in der Regel sicher ist einen dieser Busse zu nehmen, es aber immer von der Umgebung abhängig ist, ob man sich für den Fussweg, die Metro oder lieber den Bus entscheiden sollte. Grundsätzlich läuft in jedem dieser Minibusse, die natürlich immer schrecklich überfüllt sind, lauter Reggaeton zu jeder Tages- und Nachtzeit.
In ganz Caracas gibt es nur 5 Metro Linien das heisst man ist mehr oder weniger auf die Camionetas angewiesen, die glücklicherweise rund um die Uhr und überall fahren. Stolz erzählte mir meine Gastmutter von einem Park in unserer Wohnsiedlung wo sie jeden morgen laufen würde. Wie sich heraus stellte bedeutete jeden morgen einmal alle zwei Wochen und laufen eher gehen und mit möglichst vielen Leuten telefonieren. Der Park an sich war nicht grösser als ein halbes Fussballfeld und der Boden nicht gerad gelenkfreundlich. Also entschloss ich mich einfach immer eine Runde um die Siedlung zu joggen. Da in Caracas grundsätzlich gilt, jedes Auto, das fährt, darf auch fahren, ist die Luft dementsprechend unangenehm.
Die Stadt
Nachdem mich meine Gastmutter durch die Wohnsiedlung geführt hatte, zeigte sie mir meinen Schulweg. Mit der Metro dauert es ca. 20- 25 Minuten bis zum Plaza de la Constitucion. Von der Haltestelle aus musste ich noch 10 Minuten vorbei an zahlreichen Strassenverkäufern gehen bis ich vor einem 35 stockigem Gebäude stand mit einer grossen Nescafe Tasse auf dem Dach. Meine Gastmutter erklärte mir dass es unter keinen Umständen ratsam ist einen Flyer oder etwas Ähnliches anzunehmen, den man auf der Strasse in die Hand gedrückt bekommt. Während ich mit Turnschuhen, Shorts und einem T-Shirt durch die Strassen trottete trug meine Gastmutter sehr hohe Pumps und einen Rock. Geschickt meisterte sie jedes Kopfsteinpflaster und jede unebene Strasse- wozu in Caracas sowohl jede Gasse als auch jede Hauptstrasse zählt. Sie erklärte mir dass die Polizei sich generell wenig bis gar nicht um Verkehrsdelikte kümmert. Das führt auch dazu, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen meistens ignoriert werden.
Shopping
Anschliessend führte meine Gastmutter mich in den Bezirk in dem sich der grosse Markt befindet. “Auf keinen Fall allein hier rumlaufen!” riet sie mir und meine Kamara sollte ich auch auf keinen Fall rausholen. Schnell begriff ich warum. Kaum standen wir 3 Minuten vor einem dieser Stände hatten wir gleich eine Schar von Verkäufern um uns versammelt. Schnell spüren die tüchtigen Händler Touristen auf und wittern grosses Geld. Nachdem ich mich freigekämpft hatte, konnten wir weiter Richtung Centro Comercial “Sambil” schlendern wo wir einen Kaffee trinken wollten. Sobald man diese riesige, aber lang nicht die grösste Shoppingmall betreten hatte, fühlte man sich wie in eine andere Welt versetzt. Alle Geschäfte verkaufen teure Designermoden und alles ist bewacht und sehr organisiert ganz nach amerikanischem Vorbild.
Probleme mit dem Bankautomaten
Da ich auf anraten der ELG keine Travellerschecks besorgt hatte musste ich grundsätzlich Geld mit meiner Bank oder Kreditkarte abheben. Generell kein Problem wenn man sich bewusst ist, dass die Gebühren sehr hoch sein können- besonders bei der Kreditkartenauszahlung. Meine Gastmutter erklärte mir wie man den Geldautomaten verwenden muss. Nachdem man nach seiner Geheimzahl gefragt wird, kommt eine Frage entweder zum Geburtsdatum oder zu den letzen bzw. ersten Nummern des Personalausweises. Beantwortet man die Fragen nicht schnell genug, so wird die Karte wieder ausgeworfen und man muss von vorne beginnen. Ich war sehr froh, dass meine Gastmutter mir half, da meine Spanischkenntnisse noch nicht gut genug waren um die Fragen schnell zu lesen und dann auch noch eine Antwort einzugeben. Das wichtigste ist, dass selbst wenn man die eine oder andere Frage falsch beantwortet man darauf achten sollte beim nächsten Mal dieselbe Antwort zu geben, sonst kann es zu einer Sperrung kommen.
Zurück ins Bett
Als das erledigt war, tranken wir einen Kaffee und machten uns auf den Rückweg. Völlig erschöpft sass ich am späten Nachmittag zu Hause und versuchte so gut meine Konzentration es zuliess meinem Gastvater zuzuhören und über meine Familie und mein Leben in Köln zu berichten. Anschliessend machten wir uns alle auf den Weg meinen Gastbruder von der Schule abzuholen. Trotz seiner 14 Jahre bestand meine Gastmutter darauf ihn mit dem Auto vor der Schule abzuholen. Das machte mir doch etwas Angst da ich ja grundsätzlich allein unterwegs sein sollte. Besonders nachdem ich auf der Strasse mit meinen hellen Haaren doch sehr auffiel. Nachdem wir ca. 2 Stunden im Stau gestanden hatten, kamen wir in unserer Siedlung an und ich fiel erneut hundemüde ins Bett.
Rückblick
Im letzten Teil des Reisetagebuchs ging es um die Bewerbung und die Reisevorbereitungen.
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