Vorhang auf, Film ab! - Filmfestival in Venedig

Thema: Film & Fernsehen, Kinoblog | 1,559 views |

VenedigDie Filmfestspiele von Venedig feiern Jubiläum!
Heute, am 29. August, wurde die Mostra Internazionale‚  Cinematografica (die Internationalen Filfestspiele Venedig) eröffnet und feiert ein ganz besonderes Jubiläum. 1932, also vor genau 75 Jahren, fanden die Festspiele erstmals statt und sind somit sie die ältesten noch bestehenden Filmfestspiele der Welt. Bis zum 8. September laufen die Festspiele als Teil der Biennale für zeitgenössische Kunst, vor allem im historischen Palazzo del Cinema. Dieses Jahr, zum 75. Geburtstag, erscheint soviel Prominenz wie noch nie zuvor, auch aus Hollywood. Das Thema vieler Beiträge des Filmfestivals scheint jedoch auf den ersten Blick nicht für diesen eigentlich freudigen Anlass geeignet, denn viele Filme thematisiseren den Krieg, erstmals auch den im Irak.

Der Eröffnungsfilm

Neun der 22 diesjährigen Beiträge sind Hollywood-Produktionen, soviele wie nie zuvor. Doch der Eröffnungsfilm kommt nicht aus der amerikanischen Filmhochburg, wenngleich in Hauptdarstellerin Keira Knightley ein auch aus Hollywood bekanntes Gesicht mitwirkt. Atonement von Regisseur Joe Wright spielt im grossbürgerlichen Grossbritannien der 30er Jahre. “Der Film handelt von der zerstörerischen Gewalt des Erzählens”, meint Regisseur Wright. Im Film wird ein Mann von der jüngeren Schwester seiner Geliebten der Vergewaltigung bezichtigt und ‘flieht’ gewissermassen in den Krieg gegen die Deutschen. Atonement gilt einerseits als überraschend gut, mit wundervollen Bildern, ihm wird jedoch nicht der ganz grosse Durchbruch zugetraut.

Der Krieg

Erstmals werden auch Filme gezeigt, die den Irakkrieg kritisch thematisiseren - und das Überraschenderweise nicht von den europäischen Regisseuren, sondern den amerikanischen selber. So präsentiert Star-Regisseur Brian de Palma (Mission Impossible) sein neues Werk Redacted in dem US-Soldaten ein 14jähriges Mädchen im Irak vergewaltigen und ermorden. Auch In the Valley of Elah von Paul Haggis redet über den Irakkrieg, beleuchtet diesen jedoch von einer ganz anderen Seite: Eltern eines Soldaten machen sich auf die Suche nach ihrem Sohn, da sie seit dessen Einsatz im Krieg nichts mehr von ihm gehört haben.

Die Preise
Der Hauptpreis des Filmfestivals ist seit 1950 der Leone d’Oro (der Goldene Löwe), mit dem der beste Film ausgezeichnet wird und den der Regisseur des betreffenden Werkes entgegen nimmt. In den Anfangsjahren wurden noch mehrere Filme mit der Coppa Mussolini ausgezeichnet, ab 1947 dann nur noch der beste Film mit dem Internationalen Preis von Venedig, bzw. dem Goldenen Löwen von San Marco. Derzeit läuft der Wettbewerb in den vier Kategorien ‘bester Film’, ‘bester Kurzfilm’, ‘bester Debütfilm’ und ‘Horizonte’. Desweiteren gibt es den Regie-Preis (der Silberne Löwe) und den Spezialpreis der Jury, sowie die Auszeichnung für die beste Schauspielerin und den besten Schauspieler der Wettbewerbsfilme, die Coppa Volpi (benannt nach dem Mitbegründer der Festspiele, Giuseppe Volpi). Auch filmtechnische Preise werden verliehen, doch ihnen gehört für gewöhnlich nur wenig Aufmerksamkeit.

Zukunft des Filmfestivals

Die Zukunft der Filmfestspiele von Venedig scheint trotz der positiven Momentaufnahme sehr unsicher. Festivalleiter Marco Müller rettete Venedig zwar vor der internationalen Bedeutungslosigkeit, indem er den Spagat zwischen Autorenkino und Blockbuster-Produktionen schaffte, so dass die Festspiele neben dem Filmfestival von Cannes und der Berlinale weiterhin weltweit zu den drei bedeutendsten Filmfestspielen zählen. Jedoch lässt der sich seit 2004 im Amt befindliche Müller keine Gelegenheit aus um über die schlechte Infrastruktur zu schimpfen. Sogar auf nationaler Ebene bekommt man durch die Konkurrenz aus Rom Gegenwind, so dass es ohne erhebliche Investitionszusagen nicht wahrscheinlich erscheint, dass Müller seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag verlängert.



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