Solarbetrug Ratgeber & mögliche Fallbeispiele

Photovoltaik PV Anlage

Mit dem anhaltenden Boom treten auch im Photovoltaik-Markt zunehmend Personen und Unternehmen mit betrĂŒgerischer Absicht in Erscheinung. Der zwischenzeitlich starke Nachfragedruck verfĂŒhrte Kaufinteressenten insbesondere im B-to-B-GeschĂ€ft dazu, geschĂ€ftsĂŒbliche Vorsichtsmaßnahmen zu missachten und unkalkulierbare Risiken einzugehen. Seien Sie gegenĂŒber großen Versprechungen von faktisch unbekannten Herstellern sehr vorsichtig. Dieser Beitrag soll ĂŒber die gĂ€ngigsten Methoden der BetrĂŒger informieren und Ihnen dabei helfen, sich vor finanziellem Schaden zu schĂŒtzen. Sehen Sie sich die Beispiele an und lernen dabei kennen, wie BetrĂŒger in konkreten FĂ€llen vorgegangen sind. PrĂŒfen Sie anhand unserer Checkliste, ob Sie den Angeboten eines neuen GeschĂ€ftspartners vertrauen können.

BetrĂŒger schĂ€digen eine ganze Branche!

  • Bereits bezahlte Ware wird niemals ausgeliefert
  • Anzahlungen auf Lieferungen verschwinden spurlos
  • Ein und dieselbe Ware wird mehrfach verkauft
  • GefĂ€lschte Zertifikate und Lieferdokumente werden verschickt

Kriminelles Handeln einiger “schwarzer Schafe” hat negative Auswirkungen auf alle: Hersteller, HĂ€ndler, Installateure und Endkunden. Die Methoden der BetrĂŒger Ă€hneln sich dabei, werden aber immer ausgefeilter.

Fallbeispiele Solarbetrug

Schwarzen Schafen keine Chance geben. Lernen Sie die typischen Vorgehensweisen von BetrĂŒgern in der Solarbranche anhand einiger Fallbeispiele kennen.

Namen wurden geĂ€ndert. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen und Unternehmen sind rein zufĂ€llig und somit nicht beabsichtigt. Sachverhalte sind teilweise vereinfacht oder beispielhaft dargestellt.

Kapitalanlage ĂĄ la Schneeball

In den letzten Wochen erreichen uns immer mehr Anfragen zu fragwĂŒrdigen „Finanzanlagen durch Verpachtung von Solaranlagen“. Solarprofis bemerken meist auf den ersten Blick, dass hier schwarze Schafe aktiv sind. Daher warnen Sie bei Bedenken Ihre Kunden, sich nicht auf solch windige GeschĂ€fte einzulassen.


Vorweg: Es gibt viele seriöse Solarfonds und Direktinvestitionen in Solaranlagen, die mit geprĂŒften Fonds und der notwendigen Markterfahrung gute Produkte anbieten. Echte Gemeinschafts- und BĂŒrgeranlagen sind durch seriöse Anbieter schon seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich am Markt etabliert.

Im Folgenden wird aber vor einem „Kapitalangebotssystem“ gewarnt, das mittels mehrerer hundert Vermittler gegenwĂ€rtig in den Markt drĂ€ngt und seine Anleger mit hoher Wahrscheinlichkeit in finanzieller Not bringen wird. Die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistung (BaFin) ist fĂŒr solche „grauen“ Angebote nicht zustĂ€ndig, weil eine Prospektpflicht nicht vorliegt. Zahlreiche Markt- und Finanzexperten warnen vor diesem im Folgenden beschriebenen „Angebot“ nachdrĂŒcklich.

Solaranlage ohne eigenes Dach

GegenwĂ€rtig wird ĂŒber verschiedene Finanz-Vertriebsgesellschaften in ganz Deutschland (zurzeit z.B. in Franken) ein „steuergĂŒnstiges Solar-Investitionsangebot“ auf fremden DĂ€chern (meist zwischen 2,4 kWp und 20 kWp-Leistung) angeboten. Die Modultypen und sonstige Komponenten bleiben in der Beschreibung meist sehr vage. Im vorliegenden Fall kauft der Anleger eine Solaranlage und verpachtet diese fĂŒr einen festen Zeitraum an eine Gesellschaft zurĂŒck. Diese Gesellschaft verpflichtet sich als Nutzerin gemĂ€ĂŸ Vertrag zur Zahlung einer festen monatlichen Pacht ĂŒber 20 Jahre und ĂŒbernimmt die Nebenkosten der Anlage. Die versprochen Gewinnen sind als sehr stattlich zu bezeichnen. Das Konzept erscheint zunĂ€chst fĂŒr „Anleger“ attraktiv, die kein geeignetes Dach fĂŒr eine Solaranlage zur VerfĂŒgung haben, aber dennoch in Photovoltaikanlagen investieren möchten.

Quadratur des Kreises

Der Stromertrag soll im Schnitt von 20 Jahren meist bei weit ĂŒber 1000 kwh pro kWp betragen. Teilweise wird ein DachnachfĂŒhrungskonzept bzw. Trackingsystem (von der Sinnhaftigkeit bei einer Dachanlage mal abgesehen) versprochen, um den hohen Ertrag ĂŒber zwanzig Jahre zu rechtfertigen. Dieses aufwĂ€ndige System passt aber ĂŒberhaupt nicht zum verstĂ€rkt angebotenen „Dumpingpreis“, der zugleich besonders innovativen aber gĂŒnstigen Module. Zudem wird u. a. mit fragwĂŒrdigen Steuerargumenten gelockt, was bei Investitionen fĂŒr eine Solaranlagen im Verlauf der nĂ€chsten 20 Jahre und wegen der EEG-VergĂŒtung nicht relevant erscheint. Die dem KĂ€ufer defacto angebotene Solaranlage ist einfachster Bauart und meist nur ein Teil einer großen Gesamtsolaranlage, wobei in der Regel unklar bleibt, wie die Trennung der Anlage (sicherer Grundbucheintrag, Ermittlung des Ertrags der Teilanlage) erfolgen soll. Den erzielten Gewinn soll der Investor in einigen FĂ€llen zudem gleich wieder in einen firmeneigenen Rentenfonds oder Ă€hnliches anlegen, damit die Gewinne sicher fĂŒr die Zukunft verwahrt werden.

Kurzsichtiges Konzept

Die ersten PV-Anlagen waren fĂŒr Ende 2009 avisiert, die „Hauptlieferungen“ sind im „Verlauf des ersten Vierteljahrs 2010“ geplant. Referenzanlagen gibt es so gut wie nie. Offenbar werden Investoren, die schon vor einigen Monaten Gelder eingezahlt haben, dadurch beruhigt, dass schon erste kleine monatliche RĂŒckzahlungen oder die Erstattung der Mehrwertsteuer erfolgen, ohne dass die „geplante“ Solaranlage am Netz ist. Der „Schneeball“ ist ins Rollen gekommen. Denn: „Altkunden“ oder professionelle Finanzvertriebsdienstleister sollen neue Kunden werben, um das System zunĂ€chst am Laufen zu halten. Das Konstrukt ist so aufgebaut, dass die geworbenen Kunden frĂŒher oder spĂ€ter Probleme bekommen sollten, denn ĂŒber die laut Angebot notwendigen 20 Jahre ist dieses System nicht zu halten, auch wenn die Solaranlagen auf den „fremden DĂ€chern“ tatsĂ€chlich gebaut werden sollten, was unklar erscheint. Selbst wenn die Solaranlagen wirklich errichtet werden: Im Fall einer Insolvenz des PĂ€chters muss der Erwerber der Kapitalanlage sĂ€mtliche Unterhaltskosten selbst tragen. Das Modell gerĂ€t dann schnell in Unterdeckung, da die versprochene Stromausbeute nicht erreicht wird. Die Finanzfalle schnappt zu.

Geld anlegen mit kĂŒhlem Kopf

Die Anbieter sind erst seit kurzem am Markt bzw. sie besitzen schlechte oder keine Marktreferenzen. Die Endkunden bzw. Privatanleger glauben faktisch mit wenig Aufwand den schnellen Euro zu erzielen, ĂŒbersehen aber das problematische Grundkonstrukt, das offensichtlich nur als „Schneeballsystem“ eine gewisse Zeit funktionieren kann. Ein Schneeballsystem ist fĂŒr eine anvisierte Geldanlage von 20 Jahren katastrophal. Ohnehin ist das Angebot fĂŒr solarkundige Personen nicht attraktiv, weil es viel sinnvollere und sicherere Alternativen von etablierten Solar- oder Fondsgesellschaften gibt.

GrundsĂ€tzlich sollten Sie sich nicht auf Angebote einlassen, die traumhaft viel versprechen. Kaufen Sie nicht die „Katze im Sack“: Investieren Sie in keine Geldanlage, die sie nicht ĂŒberblicken können. ÜberprĂŒfen Sie kritisch zum Beispiel den genannten Ertrag der Anlagen mit den entsprechenden kostenlosen Programmen im Internet. Es gibt zahlreiche Alternativen im Markt, die seriös sind. Auch in der Solarbranche gibt es kein leicht verdientes Geld. Nur wer sich gut informiert und tlw. auch bauliche Verpflichtungen ĂŒbernimmt, hat eine nachhaltige Anlage getĂ€tigt.

Beispiel: Solarmodule eines chinesischen Markenherstellers

Anfang MĂ€rz xxxx bietet die Firma XXXXX, vertreten durch ihren GeschĂ€ftsfĂŒhrer Herrn XXXX ein attraktives Megawatt-Kontingent Solarmodule eines chinesischen Markenherstellers an. Auf Nachfrage versichert Herr XXXXXX, dass die Ware ursprĂŒnglich aus einer seriösen Quelle stammt, in diesem Fall die Module aber aus einem geplatzten Projekt in Griechenland ĂŒbernommen wurden.

Lieferbedingungen nicht ideal

Ein auslĂ€ndisches Unternehmen interessiert sich fĂŒr die Ware, und man wird sich im Prinzip schnell einig. Der vereinbarte Liefertermin ist Ende Mai. Der KĂ€ufer ist sogar bereit, einen Teil der Kaufsumme als Vorkasse zu zahlen, wenn entsprechende Sicherheiten vorliegen. Ende MĂ€rz ist aber noch immer nicht klar, ob die notwendigen Zertifikate vorhanden sind und die Firma XXXXX Sicherheiten bieten kann. Generell scheint der VerkĂ€ufer sich nicht im Handel von Solarmodulen auszukennen. Die von der Firma XXXXX angegebenen Referenz-Unternehmen bestĂ€tigen aber, das Herr XXXXX seriös ist. Der KĂ€ufer beschließt daher, gemeinsam mit einem Berater nach XXXX-Deutschland zu fliegen, um dort Anfang April mit Herrn XXXXX zu sprechen.

Persönliche Verhandlungen erfolgreich

In Hamburg angekommen, trifft man sich in einem Restaurant, da die RĂ€ume des Unternehmens gerade nicht zur VerfĂŒgung stĂŒnden. Der sympathisch erscheinende Herr XXXXX bittet um VerstĂ€ndnis, dass noch nicht alles so lĂ€uft, wie es sollte. Er wĂŒrde normalerweise im Bereich Windenergie arbeiten und hĂ€tte nur fĂŒr den gelegentlichen Handel mit Solarmodulen eine neue Firma gegrĂŒndet. Herr XXXXX will noch immer nicht seine Vorlieferanten nennen, weist aber darauf hin, dass es ein bekanntes Unternehmen aus XXXX-Deutschland wĂ€re. Die technischen DatenblĂ€tter der Module lassen darauf schließen, dass dies stimmt. Trotz der Bedenken wird man sich einig, dass Herr XXXXX seriös erscheint und bereits zuvor an andere Kunden angeblich erfolgreiche Module verkauft hat.

Die Bedingungen

Der KĂ€ufer erklĂ€rt sich bereit, 20 Prozent Vorkasse zu leisten, wenn er die Flashlisten bekommt. Andere Papiere liegen noch nicht vor, Baumnn versichert aber, dass er eine LieferbĂŒrgschaft eingeht. Die Waren, obwohl schon im Xxxxxxx Hafen gelagert, können aber dennoch nicht besichtigt werden. Der xxxxxxx KĂ€ufer fliegt wieder heim und wartet auf die Papiere. Die gewĂŒnschten Flashlisten kommen dann auch tatsĂ€chlich wenig spĂ€ter, und die Vorkasse in Höhe von rund 600.000 Euro wird geleistet. Der KĂ€ufer ist zufrieden, da er unter enormen Druck steht und zwingend die Module fĂŒr ein Projekt benötigt.

Was ist eine Flashliste?

Bei jeder Modullieferung bekommen KĂ€ufer eine Flashliste mit Seriennummern und einem Leistungsnachweis als Exceltabelle zu gesendet. Die Daten kommen vom jeweiligen Modulhersteller und werden am Ende eines jeden Produktionsprozesses erfasst. In der Flashliste ist die im Werk gemessene Leistung pro Modul (jedes Modul hat eine positive Leistungstoleranz von 0 bis 5 Watt je nach Hersteller), die Chargennummer, die Artikelbezeichnung, die Seriennummer etc. aufgefĂŒhrt. Im Garantiefall kann das betroffene Modul so rĂŒckverfolgt werden. 

Der HĂ€ndler verschwindet

Ab Mitte Mai ist Baumann telefonisch und schriftlich nicht mehr zu erreichen. Nachforschungen ergeben, dass die erwĂ€hnten erfolgreichen GeschĂ€fte mit anderen Kunden nie stattgefunden haben, da die Referenzadressen zum Umfeld des BetrĂŒgers gehörten. Wie aber sind die ordnungsgemĂ€ĂŸen Flashlisten zu erklĂ€ren? Die Papiere wurden auf krummen Wegen von einem anderen Handel besorgt und verfĂ€lscht. Die darin enthaltenen Module waren schon rund 8 Monate zuvor hergestellt worden und existierten also wirklich. XXXXXXX hat nie ĂŒber die Ware verfĂŒgt. Ein anderer, vollkommen unbeteiligter HĂ€ndler hat die Module Anfang des Jahres bereits an seine Kunden ausgeliefert. Baumann hat also einfach veraltetet Papiere weitergegeben.

Das geschickte Vorgehen des BetrĂŒgers Baumann zeigt, dass man einfachen telefonischen AuskĂŒnften von branchenunbekannten Referenzpartnern ebenso wenig trauen darf, wie Papieren, die mitunter nur als Kopie oder Fax zur VerfĂŒgung gestellt werden. Hier gilt es auch, die SchlĂŒssigkeit der Angaben zu prĂŒfen.

Beispiel: Fall eines beliebten US-Markenherstellers

Anfang April 2008 bietet das deutsche Unternehmen XXXXX ein DĂŒnnschichtmodul-Kontingent eines beliebten US-Markenherstellers von fast 400 kWp zu einem sehr guten Preis an, Ware lagernd in Deutschland. Insgesamt sieben verschiedene Unternehmen aus Europa treten nun mit XXXXXX in Verbindung und vereinbaren den Kauf von Teilmengen. Das Kontingent stammt angeblich von einem bekannten GroßhĂ€ndler, der als Distributor fĂŒr den Markenhersteller in Deutschland auftritt.

GeÀnderte Bedingungen und erste Verzögerungen

Vereinbarter Liefertermin der Module ist die 18. Kalenderwoche. XXXXXX verlangt von seinen Kunden 100 Prozent Vorkasse, da sonst der GroßhĂ€ndler die Ware nicht bereitstellt. Die Vorkasse wird ĂŒberwiesen, allerdings in einigen FĂ€llen nicht an XXXXXX sondern direkt an einen Vorlieferanten. Dieser tritt Mitte Mai direkt an die Kaufinteressenten heran, stellt sich jedoch als XXXXXX GmbH vor – ein Name, der zuvor nie erwĂ€hnt wurde. Bis Ende Mai gehen so auf dem Konto des Lieferanten rund 900.000 Euro ein. Der Handel scheint zu klappen, aber der Liefertermin werde aufgrund der Verzögerungen bei der Bezahlung erst in der 21. Kalenderwoche liegen. Die Module liegen auf einmal nicht mehr in Deutschland bereit, sondern mĂŒssen angeblich erst aus den USA importiert werden.

Ein VerkÀufer mit Profil

Zeit verstreicht, in der sich aber noch niemand ernsthafte Sorgen macht. XXXXXX hatte zuvor bereits erfolgreich und zuverlĂ€ssig gehandelt und war als Unternehmen bekannt, das ĂŒblicherweise Anlagen installiert, aber bei gĂŒnstigen Gelegenheiten auch Module kauft und weiterverkauft. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von XXXXX war stets freundlich und zuvorkommend. Vorsichtshalber eingeholte WirtschaftsauskĂŒnfte ĂŒber die beiden Unternehmen sind nicht hervorragend, geben aber auch keinen Grund, an der SeriositĂ€t der GeschĂ€ftspartner zu zweifeln. Alle Angaben auf den VertrĂ€gen scheinen stimmig. Man hat einen erfahrenen Installateur und HĂ€ndler vor sich.

Die Lieferung kommt nicht

Die ersten Teilkontingente werden nicht fristgerecht ausgeliefert. Die KĂ€ufer vermuten noch, dass es sich nur um eine leichte Verzögerung seitens des Vorlieferanten handelt, wie sie hĂ€ufig in der Branche vorkommen können. XXXX fĂŒhlt sich ĂŒberfordert mit der Situation und verweist auf den Vorlieferanten. Die Firma XXXX ist scheinbar erst seit kurzem im Handel mit Solarmodulen tĂ€tig. Die Unkenntnis ĂŒber einige Sachverhalte des GeschĂ€ftsfĂŒhrers fĂ€llt auf.

Die Firma XXXXX vertröstet die Kunden zunĂ€chst auf den XXXX., eröffnet nach erneutem Verstreichen des Termins jedoch, dass dieser nicht mehr zu halten sei, ein neuer Termin wird 1 Woche spĂ€ter angesetzt. Die Ware sei versehentlich in einen falschen Hafen verschifft worden. Als dann aber sowohl der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von XXXXXX als auch der der XXXXX GmbH auf Nachfragen nicht mehr reagiert und die Kommunikation mit den Kunden einstellt, schalten die geprellten KĂ€ufer die Polizei ein. Leider zu spĂ€t: Die Konten von Lehmann sind gerĂ€umt, deren GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist untergetaucht.

Ohne Sicherheitsmaßnahmen ein leichtes Spiel

Dieses Vorgehen ist so erfolgreich, da Namen von erfahrenen und zuverlĂ€ssigen Unternehmen aus der Solarbranche genutzt werden, um Vertrauen bei den Kunden herzustellen. DarĂŒber hinaus werden gezielt Produkte angeboten, die rar und daher hoch begehrt sind.

Den BetrĂŒgern ist bewusst, dass die Bereitschaft, auf Sicherheitsmaßnahmen zu verzichten, momentan in der Photovoltaikbranche noch sehr hoch ist. Fast alle GeschĂ€digten haben 100 Prozent der Ware im Voraus bezahlt. So hatte die Firma XXXXXX ein leichtes Spiel, sich auf kriminellem Weg zu bereichern. Einige der betrogenen Unternehmen stehen jetzt vor dem wirtschaftlichen Ruin.


Checkliste zur AngebotsĂŒberprĂŒfung

Vorsicht bei allzu verlockenden Angeboten!

Sie haben im B-to-B-GeschÀft, zum Beispiel als Installationsbetrieb, unverhofft ein sehr attraktives Angebot einer Ihnen noch unbekannten Firma per Mail oder Fax bekommen?

PrĂŒfen Sie das Angebot und den Anbieter genau anhand der unten stehenden Liste. Bereits an wenigen Hinweisen können Sie erkennen, ob die Offerte womöglich unseriös ist und der Anbieter Betrugsabsichten hegt:

  • Gesuchte Markenmodule werden deutlich unter den aktuellen Marktpreisen angeboten.
  • Die anbietende Firma wurde erst vor einigen Monaten gegrĂŒndet oder ist erst seit kurzem im Photovoltaik-Bereich aktiv.
  • Der Lieferant hat keine Referenzen in der Branche.
  • Der Ansprechpartner beim Lieferanten ist telefonisch nie oder so gut wie nie erreichbar. Es existiert nur eine Handynummer.
  • Der eigentliche Unternehmenszweck der Firma ist nicht der Handel mit Solarkomponenten bzw. hat keinen Solarbezug.
  • Der Lieferant kann wenig technische Details ĂŒber die Ware nennen bzw. kann DatenblĂ€tter erst nach RĂŒcksprache mit seinem Vorlieferanten zur VerfĂŒgung stellen.
  • In der AuftragsbestĂ€tigung finden sich falsche Fachbegriffe oder Modulbezeichnungen, die ein Profi nie verwenden wĂŒrde. Zahlreiche Schreibfehler können ebenfalls ein Zeichen von mangelnder Sorgfalt und fehlendem Sachverstand sein. (Bsp.: ‘Flaschliste’ statt ‘Flash-Liste’ bzw. ‘Flasher-Liste’, wie es korrekt heißen mĂŒsste).
  • Ein Treffen in den GeschĂ€ftsrĂ€umen des HĂ€ndlers ist nicht möglich.
  • Die Ware sei angeblich bereits am Ort XY gelagert, darf aber nicht besichtigt werden.
  • Der Lieferant strĂ€ubt sich gegen den Versand der Lieferpapiere oder Kopien davon.
  • Der HĂ€ndler weist Sie darauf hin, dass die Seriennummern eines Markenherstellers nicht an die europĂ€ische Niederlassung des Herstellers gegeben werden dĂŒrfen (Achtung: Graumarktware!).
  • Die Module mĂŒssen schnell und per Vorauskasse bezahlt werden, da der Anbieter sonst den Zugriff auf die Ware verliert.
  • Die Zahlungsbedingungen sind nicht sicher, da z.B. die Vorkasse lange vor Lieferung der Ware verlangt wird oder ein verkĂŒrzter Zahlungsweg direkt an den ersten Lieferanten in der Kette verweigert wird.
  • Die Zahlungsabwicklung ĂŒber ein unabhĂ€ngiges, neutrales Treuhandkonto ist nicht möglich.

Aktuelle Hinweise fĂŒr Endkunden

Auf verschiedenen Vertriebswegen wird zum Beispiel gegenwĂ€rtig mit “besonders innovativen” Modulen der neuesten Technologie geworben. Seien Sie insbesondere bei fast marktunbekannten Modulen, die gleichzeitig höchste deutsche QualitĂ€t versprechen sollen, extrem skeptisch. Es spricht grundsĂ€tzlich wenig dafĂŒr, daß ein neuer Hersteller ein innovatives Modul mit untypisch hohen Wirkungsgrad produzieren kann.

Im FrĂŒhjahr haben Sie die freie Auswahl und bekommen bewĂ€hrte KomponentenqualitĂ€t zu akzeptablen Preisen. Aufgrund der EEG-VergĂŒtung ist es fĂŒr Sie als Endkunden wichtig, daß die Module ĂŒber mindestens 20 Jahre einen relativ konstanten Ertrag liefern und wĂ€hrend der Gesamtlaufzeit nur wenig an Leistung verlieren.

Zu optimistische Renditen machen skeptisch

Seien Sie grundsĂ€tzlich vorsichtig bei besonders optimistischen Gewinnversprechen, die pauschal nach acht oder zehn Jahren eine finanzielle Amortisation versprechen. Auch bei Produktaussagen, die zum Beispiel bei einer 5 kWp-Anlage aufgrund der “besonderen Leistungskurve im Prinzip” eine deutlich höhere kWp-Nennleistung in Aussicht stellen und “ohne GewĂ€hr” eine entsprechend hohe Ertragsprognose prognostizieren, ist höchste Skepsis angebracht.

Dies gilt insbesondere auch bei Finanzierungsmodellen, bei denen Sie komplette Anlagen kaufen und gleich wieder an den Anlagenbauer zurĂŒck vermieten. Die darin versprochen Renditen-Modelle basieren auf viel zu hohen Ertragsprognosen und unrealistischen Rahmenbedingungen bezĂŒglich dem Betrieb einer Solaranlage. Die dort angebotenen Solarmodule sind in der Regel von einfachster QualitĂ€t und werden den Anforderungen auf 20 Jahre sicherlich oftmals nicht gerecht. Diese Finanzmodelle sind zudem hĂ€ufig mit anderen Geldanlage-Formen verbunden, die eine Transparenz ihrer Einlagen gĂ€nzlich erschwert.

Ein seriöser und langfristig orientierter Installationsbetrieb hĂ€lt im Vertrieb nichts von extremen Versprechungen, denn KundenenttĂ€uschungen behindern eine langfristige GeschĂ€ftsgrundlage und erschweren einen guten Ruf. Pauschale Aussagen zum kWh-Ertrag pro kWp sind nicht zu treffen, denn der tatsĂ€chliche Ertrag ist von vielen Faktoren abhĂ€ngig. Man sollte selbst in Bestlagen und optimalen Rahmenbedingungen (gute Dachausrichtung, hochwertige Komponentenauswahl, gute Abstimmung zwischen Modul und Wechselrichter etc.) grundsĂ€tzlich nicht mit Ertragsprognosen von langfristig deutlich ĂŒber 1000 kWh/a pro kWp arbeiten.

Kalkulieren Sie grundsĂ€tzlich Ihr “Sonnengeld” eher vorsichtig und lassen sich dann lieber positiv ĂŒberraschen.

Höhere Vorkasse bleibt fĂŒr Endkunden ungewöhnlich

Eine höhere Vorkasse (mehrere Wochen vor Lieferung) bleibt fĂŒr Endkunden in der Solarbranche beim “Installationsbetrieb des Vertrauens” unĂŒblich und sollte grundsĂ€tzlich auch vermieden werden. Eine höhere Vorkasse erscheint unnötig. Eine geringe Vorkasse (unmittelbar vor Lieferung) und die Bezahlung des deutlich grĂ¶ĂŸeren Restanteils bei Lieferung bzw. Installation ist mittlerweile auch bei Endkunden nicht mehr völlig ungewöhnlich. Die Vorkasse sollte aber nur gegen entsprechende Sicherheiten oder/und guter Kenntnis des Betriebes erfolgen.

Wo finde ich seriöse Photovoltaikunternehmen?


Quelle: solarbetrug.de

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